„Die Kirchen mystifizieren Israel und verteidigen so seine Politik“

Nahostpolitik

Die Theologen Peter Bingel und Winfried Belz attackieren in scharfer Form die protestantische Nach- Auschwitz- Theologie

Von

Arn Strohmeyer, 14.01.2014

Ich muss gestehen, dass ich in der Vergangenheit oft ziemlich rat- und hilflos war angesichts der Haltung von Theologie und Kirchen in Deutschland zum Nahost-Konflikt, vor allem angesichts ihrer Position zu Israels verbrecherischer Politik gegenüber den Palästinensern. Naiver Weise hatte ich als Nichtinsider angenommen, dass Theologie und Kirchen – vor allem als Konsequenz aus dem Holocaust – automatisch im Sinne der Bergpredigt immer auf der Seite der Schwächeren, Beraubten und Unterdrückten (der „Mühseligen und Beladenen“) stehen und dass sie sich überall da protestierend zu Wort melden müssten, wo Moral, Menschenrechte und Völkerrecht in schlimmster Weise verletzt werden. Dass ich mit dieser Annahme einem fatalem Irrtum aufgesessen war, weiß ich, seitdem ich das Buch „Israel kontrovers. Eine theologisch-politische Standortbestimmung“ von Peter Bingel und Winfried Belz gelesen habe. Dieses kleine Taschenbuch von 173 Seiten hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich, denn es ist eine Generalabrechnung mit der protestantischen Nach-Auschwitz-Theologie.

Die Autoren nehmen die verschiedensten Ausprägungen des Begriffs „Israel“ in religiösen Institutionen und Strömungen in Augenschein, um so die jeweils gemeinten Israel-Realitäten zu erfassen. Das ist unbedingt nötig, denn schon bei der Auslegung des Wortes „Israel“ lassen sich unzählige begriffliche Unschärfen, die bis zu Täuschungen und Lügen gehen, feststellen. Hier Klarheit zu schaffen ist das erste Anliegen der Autoren. Denn der Begriff Israel kann für ein Volk, ein Land und einen Staat stehen, wobei die Begriffe nicht nur politisch, sondern auch religiös verstanden werden können, eben im Sinne der jüdischen Religion. Der Begriff Israel – verstanden als Volk Israel – stammt natürlich aus der Bibel und aus der Geschichte von Judentum und Christentum. Nur hier wird das jüdische Volk „Israel“ genannt.

Heute bezeichnet das Wort als internationaler und säkularer Begriff den israelischen Staat. Dieser Staat zieht seine Legitimation und sein Existenzrecht aus der UNO-Resolution 181 vom 29.11.1947, der zufolge in Palästina zwei Staaten entstehen sollten: ein jüdischer und ein arabischer. Der Staat Israel bleibt aber politisch weiterhin äußerst umstritten, weil er eine „moralisch höchst fragwürdige Basis hat, denn seine ganze Geschichte ist mit extremer Gewalt und massivem Unrecht gegen die einheimische arabische Bevölkerung verbunden“, schreiben die Autoren. Zudem nimmt Israel im Bereich der Menschenrechte und des Völkerrechts ein exklusiv eigenes Recht in Anspruch, das es international in der Staatengemeinschaft gar nicht gibt. Außerdem hat Israel wegen seiner expansionistischen Politik auch nach über 60 Jahren Existenz noch keine festen Grenzen. Wegen der Diskriminierung der palästinensischen Staatsbürger (immerhin 20 Prozent der Bevölkerung) ist auch der Anspruch dieses Staates, eine Demokratie zu sein (sogar die „einzige im Nahen Osten“!) höchst umstritten.

Spricht man vom Land Israel, muss man zuerst an das international anerkannte Staatsgebiet Israels denken, dessen Grenze die Waffenstillstandslinie von 1949 war – die sogenannte „Grüne Linie“, die aber von Israel heute nicht mehr anerkannt wird. Mit Land Israel kann man aber auch die biblischen Vorstellungen vom Territorium des damaligen jüdischen Volkes meinen, die aber nicht historisch sondern eher mythologisch zu verstehen sind, denn ein jüdisches Großreich hat es – wie von den Zionisten behauptet – nie gegeben. Unter Eretz Israel ist das ganze Palästina westlich des Jordan und darüber hinaus zu verstehen, das der Zionismus für sich beansprucht. Auf offiziellen israelischen Landkarten gibt es das besetzte Westjordanland bereits nicht mehr, es ist als israelisches Staatsland bereits annektiert.

Das Land Israel ist auch für die jüdische Religion von großer Bedeutung. Denn es ist die Region, die den Juden nicht nur von ihrem Gott versprochen wurde, es ist auch der Ort auf den das messianische Ziel der Weltgeschichte ausgerichtet ist. Hier soll sich die Heilsgeschichte durch das Kommen des Messias vollenden. Aber auch für den jüdischen Nationalismus – den Zionismus – spielt das Land Israel die zentrale Rolle. Es ist der Mittelpunkt seines staatlichen Wirkens.

In diesem Sinne sprechen die Autoren auch von drei ganz verschiedenen Phasen des Judentums. Das erste Judentum umfasst die Einheit von Volksgemeinschaft/ Ethnie und Religionsgemeinschaft. Sein Zentrum lag in Palästina. Dieser Zeitabschnitt reichte von der Zusammenführung der jüdischen Stämme bis zum Jahr 70 u. Z. – der Zerstörung Jerusalems und des zweiten Tempels durch die Römer. Schon vorher gab es aber eine bedeutende jüdische Diaspora-Bevölkerung im ganzen Mittelmeerraum. In der Zeit des zweiten Judentums gibt es noch die Einheit von Volks- und Religionsgemeinschaft, das Judentum hat aber keinen politischen und kulturellen Mittelpunkt mehr in Palästina. Dieser Abschnitt der jüdischen Geschichte reicht vom Jahr 70 bis in das 20. Jahrhundert. Im Zeitalter der Aufklärung im 18. Jahrhundert löste sich die enge Bindung von Volks- und Religionsgemeinschaft auf. Viele Juden wurden säkular und assimilierten sich, andere sammelten sich in orthodoxen oder reformierten Gemeinden.

In der Zeit des dritten Judentums findet die vollständige Trennung von Volks- und Religionsgemeinschaft statt, denn die Zionisten gestalten ab dem  Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Form des Judentums, das sich von der Nation und der Ethnie her begreift, aber nicht mehr von der Religion. Das politische und später auch das religiöse Zentrum befindet sich nun in Palästina. Die Etablierung der kolonisierenden zionistischen Siedlergesellschaft findet aber auf Kosten der arabisch-palästinensischen Bevölkerung statt, die immer mehr verdrängt, vertrieben und ihres Landes beraubt wird.

Den Zionismus definieren die Autoren folgendermaßen: Er ist eine „nationalistische Ideologie, in deren Mittelpunkt das ‚Land‘ stand. Diese Ideologie besagt: Das geografische Palästina ist nicht das Land seiner bisherigen arabischen Bewohner, die seit weit über tausend Jahren dort beheimatet sind und zusammen mit einer kleinen Gemeinschaft von Juden dort wohnten. Vielmehr ist es prinzipiell ‚unser‘ Land, jüdisches Land. Dazu muss überhaupt nicht auf Religion, auf das ‚gelobte‘ (also von Gott ‚versprochene‘) Land Bezug genommen werden. Der zionistisch bestimmte Staat Israel und seine Vertreter und Botschaften tragen offiziell ‚Rechtsgründe‘ vor: Das jüdische Volk habe ‚ein natürliches und historisches Recht‘ auf dieses Land. Der zionistische Geist sucht sich seine ‚Rechte‘ passend zu seiner Ideologie. In Wirklichkeit gibt es derartige Rechte nicht im allgemeinen Völkerrecht, das in den Statuten der Vereinten Nationen seinen Ausdruck gefunden hat.“

Der an sich säkulare Zionismus und die Gründung des Staates Israel veränderten auch die jüdische Religion. Das „Land“, ein Faktum, das in der jüdischen Religion der Antike eine bedeutende Größe war, dann aber fast 2000 Jahre nur eine spirituelle Rolle auf die messianische Endzeit hin gespielt hat, trat nun wieder als „konkreter Glaubensgegenstand ins Zentrum des religiösen Judentums.“ Die Aussagen über das Land in der Hebräischen Bibel (Altes Testament) bekamen also wieder einen neuen Sinn. Es entstand eine neue Land-Theologie, eine neue Land-Frömmigkeit, ein Land-Mystik, in deren Mittelpunkt die Begriffe Eretz Israel und Land Israel standen. Religion und nationale Politik gingen eine enge Verbindung ein, was aber bedeutete, dass die jüdische Religion in ihrer orthodoxen Gestalt zunehmend politisch im Sinne von Machtpolitik wirkte.

Die Autoren beschreiben den Grund für diese Entwicklung so: „Das beruht darauf, dass Eroberung, Landraub und Vernichtung der einheimischen Bevölkerung in der Hebräischen Bibel unmittelbar vorgegeben sind – damals waren es die Kanaaniter, heute sind es die Palästinenser, die gegenwärtig nur noch zehn Prozent ihres ehemaligen Gebietes haben. Für das orthodoxe religiöse Judentum in Israel gehören ‚Land‘ ebenso wie ‚Volk‘, nunmehr als Staatsvolk begriffen, und damit der jüdische Staat zur Mitte des Glaubens und des Handelns. Die Hebräische Bibel wird diesbezüglich fundamentalistisch ausgelegt, am radikalsten von den Militärrabbis und den Siedlerrabbis. Das Land ist heilig, im Zweifelsfall heiliger als der Mensch. Das Land wird ‚erlöst‘, ‚befreit‘ für Gott und das Judentum.“

Jüdisch-religiöse Kräfte bestimmen also zusammen mit nationalistischen Kräften heute in Israel maßgeblich die Politik mit, wobei im Westen kaum registriert wird, wie extremistisch die herrschenden politischen Kräfte sind und wie anders das Judentum dort ist im Vergleich zu dem in den westlichen Ländern bekannten. Für dieses „andere“ nationalreligiöse Judentum spielen das Internationale Recht und die Allgemeinen Menschenrechte keine Rolle, es unterstützt seit Jahrzehnten das zionistisch-nationalistische Judentum in seiner Unterdrückungs- und Raubpolitik.

Wenn man die genauen Begriffsbestimmungen von Volk, Land und Staat Israel im Zusammenhang mit der Religion und in ihrer geschichtlichen Veränderung nicht berücksichtigt und auch übersieht, wie sich die jüdische Religion mit dem radikalen jüdischen Nationalismus (Zionismus) verbunden hat, muss das zu völlig irreführenden und verhängnisvollen Schlussfolgerungen führen. Das ist die Hauptthese der Autoren und an dieser Stelle setzen sie mit ihrer Kritik an der Nach-Auschwitz-Theologie an. Diese neue Theologie hat sich auch weitgehend in den Landeskirchen durchgesetzt.

Der Nach-Auschwitz-Theologie geht es vorrangig darum, die Unterschiede zwischen Christentum und Judentum weitgehend zu nivellieren, wohl um die Schuld der Kirchen – Stichworte: Antijudaismus und Holocaust – aufzuarbeiten. Der Widerspruch entzündet sich an der Gottesfrage, die für die politischen Schlussfolgerungen von großer Bedeutung ist. So behauptet die Nach-Auschwitz-Theologie, dass der Gott des Neunen Testaments derselbe ist, von dem die Hebräische Bibel spricht. Die Autoren setzen dem entgegen: Der Gott des Neuen Testaments (der Vater Jesu Christi) kann nicht der Gott der Hebräischen Bibel sein, der etwa den vielfachen Mord an den Einwohnern kanaanitischer Städte befohlen hat, um Platz für das einwandernde Volk Israel zu machen.

Für die Nach-Auschwitz-Theologie ist das im Alten Testament gotterwählte jüdische Volk, mit dem der Gott Jahwe seinen Bund schloss, mit dem heutigen jüdischen Volk identisch. Es ist für sie ein Beweis der Treue Gottes, dass das jüdische Volk bis heute existiert und 1948 in Palästina seinen Staat gründen konnte. Auch das heutige Volk Israel ist für diese Theologie in religiöser, ethnischer und politischer Hinsicht noch „erwählt“, es ist ein Volk des „Heils“. Mit anderen Worten: dem historischen wie jetzigen Judentum – der jüdischen Ethnie in Palästina und anderswo – und damit auch dem heutigen Israel wird eine „heilsgeschichtliche Bedeutung“ zugesprochen. Das bedeutet dann aber auch, dass die Landverheißungen der Hebräischen Bibel volle Gültigkeit haben.

Die Schlussfolgerungen einer solchen Theologie, die religiöse und politisch-ethnische Dimensionen vermischt, halten die Autoren mit Recht für völlig unverantwortlich. Sie schreiben: „Diese Gleichsetzungen übergehen alle zum Teil revolutionären geschichtlichen Wandlungen und verleugnen die gegenwärtigen politischen, soziologischen und religiösen Realitäten. Der pauschale Israel-Begriff dieser verfehlten Theologie hat keinen Boden in der Wirklichkeit. Er ist weder theologisch noch politisch mit der erforderlichen Klarheit anwendbar und behindert jede angemessene ethische, das heißt menschen- oder völkerrechtliche Stellungnahme. Die Nach-Auschwitz-Theologie ist hinsichtlich des modernen zionistisch-nationalistischen Israel mit seinem säkularen Fundament und seiner unvertretbaren Politik gegenüber den Palästinensern völlig blind.“

Und weiter schreiben die Autoren: Es ist völlig klar, „dass das israelische Judentum mit seinen Organisationen und Institutionen vor und erst recht nach der Staatsgründung im Zusammenhang mit der ‚Heimkehr‘ unendliches Leid über Millionen arabische Menschen gebracht hat. Völkerrechtswidrig besetzte, zerstörte, raubte und raubt der israelische Staat fortschreitend palästinensisches Land. Er vertrieb Hunderttausende, tötete Zehntausende, hält Millionen arabisch-palästinensische Menschen unter brutaler Besatzungsherrschaft und in absichtlich herbeigeführtem Elend, um unter dem Vorwand von Sicherheitsinteressen dem zionistischen Ziel, ganz Palästina zu einem araberfreien jüdischen Land zu machen, immer näher zu kommen. Den israelischen Landanspruch über die Waffenstillstandslinie von 1949 hinaus von christlicher Seite zu unterstützen, ist auf dem Boden christlicher Ethik in keiner Weise zu rechtfertigen. (…) Die Nach-Auschwitz-Theologie setzt jedoch in ihrer bewussten Verdrängung aktueller ethisch-politischer Fragen – konkret der Fragen des Völkerrechts und der Menschenrechte – an die Stelle eines mit Recht beklagten antijüdischen Rassismus implizit einen projüdischen antiarabischen oder antipalästinensischen Rassismus.“

Das abschließende Urteil der beiden Autoren lautet: „Wegen der falschen Begrifflichkeit und der damit verbundenen Realitätsferne sind alle theologischen und kirchlichen Beschlüsse und Erklärungen der vergangenen Jahrzehnte zur Erneuerung des Verhältnisses von Kirche und Israel ebenso wie die zum Verhältnis von Christen und Juden im Kern verfehlt.“

Die katholische Theologie und die Konzilsbeschlüsse betonen auch eine enge geistliche Verbundenheit zwischen Christen und Juden, weil der Gott des Alten Testaments auch der Gott Jesu sei. Der Begriff Israel bleibt auch hier unscharf, wenn von der „Heilsbedeutung Israels“ oder der „Heilszusage Gottes an Israel“ die Rede ist. Zumeist wird unter „Israel“ das biblische Judentum verstanden und vom heutigen Judentum unterschieden, auf den Staat Israel wird kein Bezug genommen – genauso wenig wie auf die Beziehung zwischen Kirche und Juden und den Holocaust. Hatte die katholische Kirche den Zionismus mit seinen Bestrebungen in Bezug auf Palästina zunächst abgelehnt, erkannte sie den Staat Israel später (1994) an, ohne ihm aber eine theologische Bedeutung zuzumessen. Es wird aber eine „geistliche Verwandtschaft“ mit der Kirche betont; die Juden sind aber nicht mehr diejenigen, die Jesus schuldhaft ablehnen.

Auffallend ist, dass die katholischen Stellungnahmen etwas näher an der politischen Realität sind und im Gegensatz zu den protestantischen öfters auch die Lage der Palästinenser ansprechen. Israel wird – etwa von Papst Johannes Paul II. – ermahnt, einen gerechten Frieden mit den Palästinensern zu suchen. Mehrmals wird in päpstlichen Äußerungen auch die Gewalt der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern verurteilt – auch der Bau der Mauer. Dem deutschen Papst Benedikt XVI. lagen die Palästinenser offenbar besonders am Herzen. Er solidarisierte sich bei seinem Besuch in Bethlehem mit diesem „Volk in seiner Bedrängnis“ und unterstützte ihr Verlangen nach einem eigenen Staat.

Völlig undifferenziert ist das fundamentalistische Israel-Bild der Evangelikalen. Für diese christliche Gruppe haben die Texte des Alten Testaments wortwörtliche Geltung für die Gegenwart – auch die Landverheißungen Gottes für das Volk Israel. Das bedeutet: Der heutige Staat Israel wird zusammen mit dem weltweiten Judentum völlig mit dem Israel des Alten Testaments in eins gesetzt. Die Identifizierung mit dem modernen Israel geht so weit, dass das „evangelikale Christentum zum verlängerten Arm des politischen Israel wird – einschließlich seiner Propaganda“, schreiben die Autoren. Die menschenrechtlichen und völkerrechtlichen Realitäten werden dabei völlig ausgeblendet. Die Evangelikalen übernehmen sogar das Feindbild Israels, den Hass auf die Araber und rechtfertigen mit den Aussagen des Alten Testaments die zionistische Landraubpolitik. Sie beten für Israels Regierungschef Netanjahu und seinen Außenminister Lieberman, dass diese keine Kompromisse entgegen den Absichten Gottes eingehen …

Peter Bingel und Winfried Belz haben ein sehr wichtiges Buch geschrieben, das auch für Nicht-Theologen von größter Bedeutung ist. Der Einfluss der Kirchen in der deutschen Gesellschaft ist groß – auch auf die Politik. Eine konsequentere Haltung Deutschlands gegenüber der israelischen Unrechtspolitik hinsichtlich der Palästinenser gibt es nicht nur wegen der NS-Verbrechen an den Juden nicht, sondern offenbar auch weil der Begriff „Israel“ so intensiv mit christlich-religiöser Bedeutung beladen ist. Gerade hier scharfe und aufklärende  Begriffsdefinitionen vorgenommen zu haben, ist das Verdienst der Autoren. Man kann nur hoffen, dass sich ihre Sicht durchsetzt, damit das deutsche Israelbild endlich realistischere Konturen erhält. Denn wie sie schreiben : „Wohl in keinem Bereich der Welt gibt es so viele verzerrende Aussagen, wird so viel getäuscht, vernebelt und gelogen wie dann, wenn es um Israel geht.“ Ohne Entmythologisierung und Entideologisierung des Begriffs Israel und seiner Realität kann es keinen Frieden in der nahöstlichen Region geben. Das machen die Autoren in ihrem Buch überzeugend deutlich.

Arn Strohmeyer

Peter Bingel/Winfried Belz: Israel kontrovers. Eine theologisch-politische Standortbestimmung, Rotpunkt Verlag Zürich 2013, 12 Euro