Die israelischen Bodenoperationen konzentrieren sich auf Bint Jbeil, das Netanjahu als „Hauptstadt“ der Hisbollah bezeichnet hat.
Jason Ditz, 16.04.2026
Während die Militäroffensiven gegen den Libanon unvermindert andauern, behaupten israelische Offizielle, dass sich unter den Getöteten hohe, aber zunehmend unglaubwürdige Zahlen von Hisbollah-Mitgliedern befänden. Offiziellen Angaben zufolge wurden in den letzten 24 Stunden 200 Hisbollah-Ziele angegriffen, und Generalstabschef Eyal Zamir spricht von „über 1.700“ getöteten Hisbollah-Kämpfern im laufenden Krieg.
Das israelische Militär ist dafür bekannt, getötete Libanesen als heimliche Hisbollah-Mitglieder zu bezeichnen, ohne dafür Beweise vorzulegen. Angesichts der zahlreichen dokumentierten Todesfälle von eindeutig nicht der Hisbollah zugehörigen Personen ist es jedoch höchst unwahrscheinlich, dass von den 2.167 Getöteten über 1.700 der Hisbollah angehörten.
Kinder stellen einen gut dokumentierten Anteil der Getöteten dar. Das libanesische Gesundheitsministerium berichtet von mindestens 172 Kindern, die während des Krieges bei israelischen Angriffen getötet wurden. Dies verschärft sich zunehmend, da Israel immer tiefer in den Libanon vordringt und scheinbar wahllos Wohngebiete angreift. Mit steigenden Opferzahlen unternimmt das israelische Militär immer weniger Anstrengungen, diese Angriffe plausibel zu rechtfertigen.
Auch Rettungssanitäter geraten immer häufiger ins Visier des israelischen Militärs. In der Stadt Mayfadoun im libanesischen Distrikt Nabatieh wurden drei weitere getötet und sechs weitere verletzt, als sie versuchten, Verletzte aus vorhergehenden israelischen Angriffen zu retten und dabei selbst unter israelisches Feuer gerieten.
Das libanesische Gesundheitsministerium verurteilte die Angriffe als „eklatantes Verbrechen“, das darauf abziele, medizinisches Personal an der Rettung von Menschenleben zu hindern. Seit der Eskalation des Krieges am 3. März wurden 91 Angehörige des Gesundheitswesens getötet, da Israel regelmäßig Krankenwagen und Krankenhäuser angreift.
Seit einigen Tagen konzentriert sich Israels Offensive auf die Grenzstadt Bint Jbeil. Vor dem Krieg wurde sie mal als Dorf, mal als Stadt bezeichnet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu präsentierte die kleine Gemeinde nun als „Hauptstadt“ der Hisbollah im Südlibanon und behauptete, nach mehrtägigen Kämpfen stünde sie kurz vor der Einnahme.
Anfang der Woche feierten israelische Offizielle die Eroberung und Zerstörung eines „Stadions“ in Bint Jbeil, in dem Hisbollah-Gründer Hassan Nasrallah einst eine Rede gehalten hatte. Die Bilder des zerstörten „Stadions“ zeigten jedoch kaum mehr als einen kleinen Fußballplatz mit einigen Tribünen an den Seiten.
Nasrallahs Entscheidung, dort vor rund 26 Jahren eine Rede zu halten, dürfte weniger mit der Bedeutung des Stadions selbst, sondern vielmehr damit zusammengehangen haben, dass er in einer der südlichsten Gemeinden des Libanon sprechen wollte, nachdem Israel die vorherige Besatzung im Süden beendet hatte. General Guy Levy bezeichnete Nasrallahs Tod im Jahr 2024 und die Zerstörung des Stadions im Jahr 2026 als einen bedeutenden Erfolg für das israelische Militär.
Quelle: http://www.antikrieg.com
