Israels neue – und erschreckende – Sicherheitsdoktrin

Nahostpolitik

Trita Parsi, 14.10.2026

Wenn Sie heute nur einen einzigen Text lesen, dann diesen:

In einem bemerkenswerten Beitrag, der vom Leiter einer der bedeutendsten israelischen Denkfabriken veröffentlicht wurde, schildert Generalmajor Tamir Hayman die Realität von Israels neuer Sicherheitsdoktrin:

Er beschreibt darin einige entscheidende Prinzipien:

1. Die Vereinigten Staaten von Amerika seien eine „absteigende Macht“ und würden Israel angesichts ihrer anhaltenden gesellschaftlichen und politischen Veränderungen ohnehin bald im Stich lassen. Dies zwinge Israel dazu, stärker auf Eigenständigkeit zu setzen, um eine „übermäßige Abhängigkeit“ von den USA zu vermeiden; denn diese Abhängigkeit „setzt Israel dem Einfluss eines progressiven amerikanischen Wertesystems aus, das mit dem jüdischen Charakter Israels unvereinbar ist.“

Er zieht daraus den Schluss: „Eine Lösung der Bindungen an die Vereinigten Staaten ist daher nicht nur unvermeidlich, sondern unerlässlich für Israels Unabhängigkeit und die Widerstandsfähigkeit seiner jüdischen nationalen Identität.“

2. Vorrang der jüdischen Identität vor der Demokratie: Die jüdische Identität des Staates hat Vorrang vor seinem demokratischen Regierungssystem.

3. Frieden als Mittel, nicht als Zweck: „Ein substanzielles Friedensabkommen ist im Nahen Osten unerreichbar, da Friedensabkommen lediglich technische und vorübergehende Regelungen darstellen, die einer ständigen Neubewertung bedürfen. Dieser Auffassung zufolge ist Frieden kein Eigenwert, der Sicherheit schafft, sondern ein Mittel zur Erreichung anderer politischer Ziele.“

4. Ablehnung der eigenständigen Existenz arabischer Staaten: Die zugrundeliegende Annahme lautet, dass die meisten arabischen Staaten keine echten Nationalstaaten seien, sondern Ansammlungen von Stämmen und ethnischen Gruppen, denen eine gemeinsame Geschichte und eine grundlegende nationale Vision fehlten. Folglich werde die Untergrabung ihrer Stabilität als natürlicher Prozess betrachtet – ein Prozess, den Israel besser bewältigen könne als die Auseinandersetzung mit starken Nationalstaaten, und den es sogar fördern sollte.

5. Krieg als grundlegender Zustand: Krieg sei für die nationale Sicherheit unerlässlich und könne nicht durch einen Friedenszustand ersetzt werden; dieser sei, wie bereits erwähnt, lediglich ein Mittel und kein Selbstzweck. […] Krieg sei notwendig, und ein Präventivkrieg sei vorzuziehen, da er bereits zu Beginn einen bedeutenden Erfolg sichere. 6. „Absolute Priorität von Initiative und Offensive gegenüber der Defensive: Präventive Überraschungsangriffe gelten als der einzige Weg zum Sieg, wodurch die Offensive Vorrang vor der Defensive erhält.“

Und es kommt noch mehr hinzu.

Wichtig ist der Hinweis, dass Hayman dies nicht befürwortet. Vielmehr vertritt er die Ansicht, dass dies bereits die neue Sicherheitsdoktrin Israels ist.

Er beschreibt die Realität, wie er sie wahrnimmt. Und diese Realität ist schlichtweg unvereinbar mit einem Bündnis der USA oder des Westens mit Israel – es sei denn, der Westen wandelt sich zu einem ähnlichen Gebilde, das Krieg als dauerhaften und erstrebenswerten Zustand betrachtet.

Den vollständigen Artikel (auf englisch) finden Sie HIER.

Quelle: https://www.antikrieg.com

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